Therapie

Medikamentöse Behandlung, Verlaufsbeobachtung und Nachsorge aller Krebs- und Bluterkrankungen

Onkologen sind Krebsspezialisten für die medikamentöse Behandlung bösartiger Tumoren. Neben Operation und Strahlentherapie gewinnt die Tumorbehandlung durch den Onkologen zunehmend an Bedeutung. Besonders Tumoren des Blut- und Lymphsystems werden fast ausschließlich mit Medikamenten behandelt. Bei anderen Tumoren wird die Chemotherapie vor der Operation zur Tumorverkleinerung durchgeführt (neoadjuvante Therapie) oder dient nach Primärbehandlung zur Sicherung des Therapieergebnisses (adjuvante Therapie).

Bei einigen Krebsformen ist auch eine gleichzeitige Chemotherapie und Bestrahlung (simultane Radiochemotherapie) sehr wirksam, wobei sich beide Therapieformen gegenseitig verstärken und manchmal die Operation ersetzen können.

Falls eine Heilung nicht mehr möglich ist, kann mit Krebsmedikamenten eine Stabilisierung oder passagere Rückbildung der Tumorerkrankung erreicht werden (palliative Therapie). Es kann sich dadurch auch wieder die Chance für eine kurative, also heilende Operation ergeben. Diese Methode gilt besonders beim Darmkrebs (Kolon- oder Rektumkarzinom) mit einzelnen Leber- oder Lungenabsiedlungen (Metastasen) bereits als Standardtherapie.


Das onkologische Wissen erweitert sich täglich und kann nicht allein aus Büchern erlernt werden. Ohne langjährige Behandlungserfahrung mit mehreren Tausend Patienten und einem steten persönlichen Wissens„update“ kann die Therapie riskant und nebenwirkungsreich werden. Chemotherapiemedikamente (Zytostatika) sind kein Gift, sondern hochwirksame, häufig über Jahrzehnte erprobte Medikamente. Die Anwendung dieser Medikamente erfordert Übung, da sie nur einen engen Spielraum, das sogenannte „Therapeutische Fenster“, zwischen heilender und toxischer Wirkung eröffnen. Sehr wichtig ist es auch, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die Sie vielleicht einnehmen zu beachten. Wir sind hier auch auf Ihre Kooperation angewiesen.

Abgesehen von wenigen Ausnahmen (z.B. akute Leukämien, Hochdosistherapien, schlechter Allgemeinzustand des Patienten) können sämtliche Chemotherapien ambulant durchgeführt werden. Eine Behandlung im Krankenhaus ist in der Regel vermeidbar. 

Nach durchgeführter Tumorbehandlung planen wir Ihre Nachsorge, und führen sie in Absprache mit Ihrem Haus- oder Facharzt durch. So kann ein evtl. Rückfall früh erkannt und wirksam behandelt werden. Die Nachsorgeintervalle sind von Tumorart, Therapieresultat und Krankheitsstadium abhängig.

Behandlungsräume

Behandlungsräume

Chemotherapie

Es gibt über 100 verschiedene Chemotherapiemittel, auch Zytostatika genannt. Sie kommen einzeln (Monotherapie) oder als Kombination (Polychemotherapie) zum Einsatz und sind in der Lage, Krebszellen abzutöten oder am Wachstum zu hindern. Die Chemotherapie wird als Tabletten, Spritze oder Infusion („Tropf“) bzw. als Kombination dieser Möglichkeiten verabreicht und in bestimmten Abständen (Zyklen, Kurse) wiederholt. Die Anzahl der Therapiekurse ist krankheitsspezifisch vorgegeben oder in anderen Fällen von ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit abhängig.

Jede Krebsart benötigt spezielle Medikamente, dreren Dosis zusätzlich auf Größe und Körpergewicht sowie andere Patientenfaktoren angepasst werden (Alter, Allgemein- und Ernährungszustand, Behandlungsziel, Vorbehandlung, Herz-, Nieren-, Knochenmark- und Leberfunktion). Zu beachten ist auch die persönliche Toleranz des Einzelnen gegenüber Nebenwirkungen, die von vielen Faktoren u.a. dem seelischen Befinden abhängig ist. Chemotherapie ist also trotz weit entwickelter Standardisierung immer eine sehr individuelle Therapieentscheidung, welche nicht durch "Leitlinien" ersetzt werden kann. 


Da Zytostatika auch gesunde Zellen, insbesondere Blut- und Schleimhautzellen zeitweise beeinträchtigen, treten Nebenwirkungen auf, die genaue Kontrollen und vor allem Erfahrung beim Erkennen und Management erfordern. Durch eine Reihe neuentwickelter Medikamente gegen diese Nebenwirkungen kann die Chemotherapie für alle Patienten erträglich gestaltet werden. Gegebenenfalls müssen Dosis oder Therapieintervall angepasst werden.

Wenn Sie von Schreckensgeschichten aus Ihrer Umgebung oder durch die Medien (DER SPIEGEL: "Giftkur ohne Nutzen") verunsichert werden, dann sprechen Sie mit uns darüber. Stress durch Verunsicherung sollte möglichst schnell durch genaue Aufklärung abgebaut werden,denn er belastet auch das Immunsystem, welches Sie für ihre Genesung brauchen. Das ist unsere ganzheitliche Behandlung.

Fast im Monatsrhythmus werden neue Krebsmedikamente zugelassen, die entweder besser verträglich und/oder wirksamer sind als die bislang gebräuchlichen. Für viele Patienten eröffnen sich damit Behandlungsaussichten, die zu Beginn der Therapie noch nicht absehbar waren. Durch die z.Zt. gerade begonnene Ära der der „targeted therapy“ (Substanzen, die ohne große Kollateralschäden gezielt in der Tumorzelle angreifen und gesunde Zellen schonen) hat sich bereits ein Wandel in der Krebstherapie vollzogen.

Immuntherapie

Einige Tumorerkrankungen (Brust-, Lungen-, Darm-, Nierenkrebs, Lymphome, Melanom) können gezielt zusätzlich zur Chemotherapie oder ausschließlich mit sehr nebenwirkungsarmen Antikörpern behandelt werden. Der Vorteil der Antikörper-Therapie liegt in ihrem sehr gezielten Angriff auf die Krebszelle unter Schonung der übrigen Körperzellen. Antikörper suchen und erkennen sogar einzelne Krebszellen und vernichten sie in gleicher Weise, wie Ihr Immunsystem es tut.

Hormontherapie 

Das Wachstum einiger Tumoren (z.B. Brust-, Prostata-, Eierstocks- Schilddrüsenkrebs) ist von dem Einfluß körpereigener Hormone abhängig. Durch die gezielte Ausschaltung dieser Hormone oder Gabe eines „Gegenhormons“ kann das Tumorwachstum beeinflusst werden. Hormontherapien werden häufig über Monate bis Jahre zumeist mit Tabletten oder Depot-Spritzen durchgeführt.

„Targeted therapy“ 

Diesen Begriff werden Sie vielleicht schon in der Zeitung gelesen haben. Es handelt sich hier um das spannendste und innovativste Kapitel der Onkologie. In den zurückliegenden 10 Jahren wurden neue Medikamente „designed“, welche gezielt Signalübertragungswege in der Krebszelle blockieren und damit ihr bösartiges Wachstum „abschalten“.

Durch diese Behandlungsoptionen haben sich die Chancen auf ein längeres Überleben bzw. eine Heilung bei vielen Tumoren (chronisch myeloische Leukämie, akute lymphatische Leukämie, Nierenzellkarzinom, GIST, Bronchial- und Mammakarzinom) dramatisch verbessert. Die Nebenwirkungen sind wegen des gezielten Angriffs auf bestimmte tumorspezifische Zellfunktionen zumeist nur moderat.

Transfusion von Blut und Thrombozyten

Eine Übertragung von Blut oder Blutplättchen ist bei vielen Patienten erforderlich, da es durch die Erkrankung oder ihre Behandlung zur Blutarmut (Anämie) oder Blutplättchenmangel (Thrombopenie) kommen kann. Die Transfusion wird ambulant durchgeführt und ist durch eine gesetzlich vorgeschriebene Qualitätskontrolle sehr sicher geworden. Da trotzdem immer ein Restrisiko bleibt, versucht man heute durch moderne Arzneimittel, sogenannte Zytokine, welche das Knochenmark zur Blutbildung stimulieren, eine Blutübertragung zu verhindern oder hinauszuzögern.

Punktion von Pleuraergüssen und Ascites 

Aufgrund des tumorösen Befalls von Rippenfell oder Bauchfell kann es zur Flüssigkeitsansammlung in der Brusthöhle (Pleuraerguss) oder im Bauch (Ascites) kommen. Diese kann Luftnot, Druck- und Völlegefühl, Schmerzen und Verdauungsbeschwerden verursachen. Durch eine sachgerechte Punktion unter Ultraschallkontrolle und Ablassen der Flüssigkeit (Entlastungspunktion) in der Praxis kann sehr schnell Erleichterung geschaffen werden.

Gutartige Bluterkrankungen

Hämatologen behandeln auch gutartige (benigne) Bluterkrankungen. Dazu zählen wir Blutarmut (Anämie), Blutplättchenmangel (z.B. Morbus Werlhof), Eisenmangel und Eisenüberladung (Hämochromatose), Blutgerinnungsstörungen (Hämophilie, von-Willebrand-Jürgens-Syndrom), Immunmangelzustände und deren Folgen (Infektionen durch Viren, Bakterien, Pilze), sowie Blutbildungsstörungen z.B. durch Vitaminmangel.